Familienbildung versteht sich als ein Angebot, das grundsätzlich allen Familien in unterschiedlichen Lebenslagen und Erziehungssituationen zugänglich sein soll. Unabhängig von bereits existierenden Schwierigkeiten geht es darum, Eltern präventiv bei der Wahrnehmung ihrer Erziehungsverantwortung zu unterstützen. Dabei kommt dem Zeitraum rund um die Geburt eines Kindes besondere Bedeutung zu. Zum einen sind die Veränderungen tiefgreifend und in den verschiedensten Bereichen wirksam – so muss auf der individuell psychischen Ebene ebenso wie bei der Alltagsstrukturierung oder dem Zusammenleben als Paar eine neue Balance gefunden werden. Entsprechend ist der Informationsbedarf in dieser Familienphase hoch – was auch in der breiten Wahrnehmung von Geburtsvorbereitungskursen zum Ausdruck kommt. Zum anderen finden im Übergang zur Elternschaft weitreichende und entscheidende Weichenstellungen, wie z. B. für die Entwicklung der Partnerschaftszufriedenheit, statt. Im Hinblick auf Familienbildung erscheint es demnach sinnvoll, Eltern bereits frühzeitig anzusprechen und dabei auf die von ihnen akzeptierten Zugangswege zurückzugreifen. Hebammen stellen eine Berufsgruppe dar, die in aller Regel über Erfahrungen mit den unterschiedlichsten Familien verfügt und der gegenüber Eltern eher geringe Berührungsängste haben. Ihr Angebot setzt noch vor der Geburt ein, begleitet die Eltern durch den Übergang und wird auch von Vätern wahrgenommen. Hebammen sind "Profis zum Anfassen", deren Wissen und Erfahrungen respektiert und Wert geschätzt werden. Damit sind sie eine wichtige Quelle für Unterstützung und können eine gute Schnittstelle ins Hilfesystem bilden.